2016 - Jan Philipp Sprick

1. Juni 2016

Musiktheorie@KUG_04

Gastseminar und Gastvortrag mit Jan Philipp Sprick (Hochschule für Musik und Theater Rostock)

14.00–16.00 Uhr, Brandhofgasse 21, Raum E.27
Gastseminar
: Modellanalyse und Hermeneutik

17.00–18.30 Uhr, Palais Meran, Erdgeschoss, Raum 24 (Institut für Musikästhetik)
Gastvortrag
: "Musikalische Ambivalenz" als psycho- und musikanalytische Kategorie

Gastseminar: Modellanalyse und Hermeneutik

Die Analyse musikalischer Satzmodelle hat in den letzten Jahren Konjunktur. Dabei steht die terminologische Vielfalt hinsichtlich der Benennung der verschiedenen Modelle neben einer Vielfalt an konzeptionellen Überlegungen. In dem Seminar soll der Satzmodelldiskurs in den deutschsprachigen Ländern mit vergleichbaren Entwicklungen in den USA (Schema etc.) verglichen werden. Dabei wird insbesondere das Potenzial dieser Analysemethode für hermeneutische Interpretationen diskutiert.

Gastvortrag: "Musikalische Ambivalenz" als psycho- und musikanalytische Kategorie

Die ambivalente Gleichzeitigkeit zweier gegensätzlicher Gefühlsregungen kann Krisen auslösen und darin lähmend wirken, oder Entscheidungen erzwingen, die als befreiend empfunden werden. In der Psychologie ist der Terminus ›Ambivalenz‹ im Jahr 1910 von Eugen Bleuler zur Bezeichnung einer zweipoligen Affektladung eingeführt worden. Siegmund Freud greift diesen, wie er sagt, »trefflichen Ausdruck« auf, um den »fortdauernden Konflikt« von Triebimpuls und dem diesem Triebimpuls korrespondierenden Verbot im Hinblick auf das spezifische, eben »ambivalente« Verhalten zu untersuchen.
Anders als bei den Begriffen ›Mehrdeutigkeit‹ oder ›ambiguity‹ – denen eine Vielzahl von musiktheoretischen Arbeiten gewidmet sind – existieren so gut wie keine Untersuchungen, die sich explizit der Analyse musikalischer Ambivalenz widmen. In dem Vortrag sollen sowohl methodische Schwierigkeiten als auch das analytische Potenzial der Kategorie an sehr heterogenen Beispielen diskutiert werden.

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Jan Philipp Sprick
studierte Musiktheorie, Viola, Musikwissenschaft und Geschichte in Hamburg, Harvard und Berlin. 2010 wurde er mit einer Arbeit zur Geschichte der Musiktheorie im 19. Jahrhundert an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert. Seit 2006 unterrichtet er an der Hochschule für Musik und Theater Rostock, wo er im Jahr 2013 auf eine Professur für Musiktheorie berufen wurde. Im Jahr 2012 verbrachte er das Winter Quarter als Visiting Assistant Professor an der University of Chicago. Seine Forschungs- und Publikationsschwerpunkte sind Geschichte der Musiktheorie, Modellanalyse, musikalische Ambivalenz und das Verhältnis von Musiktheorie und Musikwissenschaft.

Musiktheorie / Musikanalyse - Kunstuniversität Graz