2012 - Komponieren heute 5

27.-29. November 2012

Seminare. Vorträge. Konzert mit führenden Komponisten der mittleren Generation 
mit Liza Lim (Huddersfield), Larisa Vrhunc, Uros Rojko (Ljubljana)

Institut 1: Komposition, Musiktheorie, Musikgeschichte und Dirigieren  
in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Genderforschung

Leitung: Clemens Gadenstätter, Christian Utz

Di 27.11.

15-18 Uhr Lecture Larisa Vrhunc (Universität Ljubljana) AULA

Mi 28.11.

10-13 Uhr Lecture Uros Rojko (Academy of Music Ljubljana) E.37
15-18 Uhr Lecture Liza Lim (University of Huddersfield) AULA

Do 29.11.

18 Uhr Konzerteinführung, AULA

19 Uhr Konzert, AULA

Uros Rojko: "Monolog des gefallenen Engels" für Halb-Klarinette solo
Larisa Vrhunc: "Spirale" (1999) für 6 Instrumente (fl, cl, vn, vc, p, perc)
Aaron Cassidy: "Songs only as sad as their listener" (2006) für Solo Posaune
Liza Lim: "The Heart’s Ear" (1997) für 6 Instrumente (fl, cl, 2 vl, vla, vc)

Ausführende:
Uros Rojko, Halb-Klarinette
Daniel Riegler, Posaune
szene instrumental
Musikalische Leitung: Wolfgang Hattinger

[Konzertmitschnitt durch den ORF, Landesstudio Steiermark] 

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Larisa Vrhunc (geb. 2. März 1967 in Ljubljana, Slowenin) studierte Schulmusik (1985 - 1990) und Komposition (1989 - 1993 bei Marijan Gabrijelčič) an der Musikakademie Ljubljana und anschließend Komposition und Orchestration am Musikkonservatorium Genf (1994 - 1996 bei Jean Balissat) und privat bei Eric Gaudibert. Zwischen 1995 and 1998 war sie Forschungs- stipendiatin und Assistentin an der Musikakademie Ljubljana, wo sie ihren postgradualen Abschluss in Komposition machte. 1999 schloss sie ihr Kompositionsstudium am Conservatoire National Supérieur Musique (bei Gilbert Amy; Orchestration und Musik-Analyse d. 20. Jhdt.) ab und erhielt ein fünfmonatiges Aufenthaltsstipendium des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf. Seit 2000 lehrt sie als Assistenz-Professorin an der Fakultät der Künste Ljubljana in der Abteilung für Musikwissenschaft in den Fächern Analyse und Orchestration). Im Jahr 2000 absolvierte sie ein einmonatiges Training für Elektronische Musik am IRCAM in Paris. Außerdem nahm sie an etlichen Kompositionskursen teil (S. Gubaidulina, B. Ferneyhough, M. Jarrell, K. Huber, S. Xu, T. Jennefelt, B. Holten, U. Rojko, F. Nieder, H. Lachenmann, H. Kyburz, L. Francesconi, F. Romitelli, C. de Bondt, D. Bouliane, P. Dusapin). 

Ihre Werke wurden in Slowenien, der Schweiz, Italien, Österreich, den Niederlanden, Deutschland, der Tschechischen Republik, Polen, Frankreich, Finnland, USA, Kanada und Japan aufgeführt; einige Kommissionen kamen von renommierten Festivals wie Grame Lyon oder Musik-Biennale Berlin. Sie erhielt den Slowenischen Nationalpreis für Studierende (Prešeren), den Preis des Slowenischen Komponistenverbands, den Prix Fondation Royaumont beim ersten Europäischen Kompositionswettbewerb "Chœurs & Maîtrises de Cathédrales" in Amiens (FR), den Prix du Conseil d' Etat in Genf (CH), einen (dreifach geteilten) Preis beim Europäischen Frauen-Kompositionswettbewerb in Nijmegen (NL) und den ersten Preis beim 2. Europäischen Kompositions- wettbewerb "Chœurs & Maîtrises de Cathédrales" in Amiens (FR). Sie gehört auch zu den acht Gewinnern des 13. Internationalen Kompositionsseminar Boswil und gewann ein Stipendium der NEM Kanada.

Kompositionen (Auswahl): Faces für Chor (1989), Aktivist’s  Song für Chor (1990), Wine für Chor (1990), Introduktion und Passacaglia  für Orgel (1990), Suite für Klarinette und Streichquartett (1991), Fünf Stücke für Cello und Klavier (1992), Three Variations for Three Women für Flöte,  Violine und Gitarre (1992), Concerto für Orgel und Orchestrer (1992), Concerto  für Cello und Streicher (1993), The Little Prince, Ballett (1993), Variationen für Oboe, Fagott und Harfe (1994), Three für zwei Klaviere (1994), For Two für Klarinette und Klavier (1995), Verba non transibunt für Kinderchor und Orchestrer (1995), In Nomine... (1995–96), Gratis 0-6 für Flöte, Klarinette und Kontrabass (1996), Concerto für Violine, Klavier und Orchestrer  (1997), Regen Liebe für Sopran solo (1997), O-A (1997), Ubi est? für gemischten Chor (1997), Open Rite für Ensemble (1999), Spirale für Sextett (1999), Celo  (1999), L’arbre en dedans für 9 Celli (2000), Satelitov trop nam  zvezde kraj oznani – ?as hiti für violine, Horn und Klavier (2000),  Hologram für Orchester (2001), Where the Moonbeam Fell für sechs Instrumente  (2001–02), Red and blue für violine, Fagott und Klavier (2002),  F für verstärkte Flöte (2002–03), Spomini na preteklost (Erinnerungen an die Zukunft) für Schlagzeug und Orgel (2003), Leseni kamni für Flöte,  Saxophon und Klavier (2001–03), Dnevne pesmi für vier Flöten (2003),  Like  a vast shadow für Mezzo-sopran, Barockviola und Barockharfe (2004),  Swamp Forest für Kammerensemble (2004).

 

 


Liza Lim
, geb. 1966 in Perth / Australien schreibt Musik, die durch körperliche Energie und pulsierende Farben gekennzeichnet ist. Die Erforschung der Thematik kultureller Grenzüberschreitungen und ekstatischer Transformationen zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Schaffen. Ihre Musik verbindet Aspekte modernistischer Abstraktion mit den Formen ritueller Kultur, die sich aus vielfältigen Quellen speisen. Sie benutzt für ihre musikalische Sprache Begriffspaare, die gegensätzlich erscheinen, z.B. „Strahlung und Schatten”, „Gewalt und Nachdenken”.
Ihre Musik, die sowohl Opern und Orchesterkompositionen wie auch ortsbezogene Installationen umfasst, wurde von einigen der weltbesten Ensembles aufgeführt. Sogar die Los Angeles Philharmonic beauftragten sie 2004 mit einer Orchesterkomposition, „Ecstatic Architecture”, anlässlich der Eröffnungssaison der von Frank Gehry entworfenen Walt Disney Concert Hall. Erst kürzlich erhielt sie bedeutende Kompositionsaufträge des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg. Ausgezeichnet wurde sie außerdem mit einer Förderung ihrer Oper „The Navigator” durch große australische Festivals. Die Oper wurde 2008 bei den Festivals in Brisbane und Melbourne uraufgeführt. 2009 folgten Aufführungen in Moskau und Paris.
Ihre nun schon über zwanzig Jahre andauernde enge Zusammenarbeit mit dem australischen ELISION Ensemble brachte einige der größeren Werke hervor, darunter ihre Kammeropern: das „Erinnerungstheater” „The Oresteia” (1991-93), eine „chinesische rituelle Straßenoper” mit dem Titel „Moon Spirit Feasting” (1997-99) und „The Navigator” (2007). 2005/2006 war sie composer-in-residence beim Sydney Symphony Orchestra. Eine fruchtbare künstlerische Zusammenarbeit unterhielt sie außerdem mit dem Ensemble Intercontemporain (Auftragswerke in den Jahren 1992, 1999, 2000 und 2005), dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (2006, 2008, 2010) und dem ensemble für neue musik Zürich.
Sie feierte Erfolge bei MaerzMusik dem Festival für aktuelle Musik der Berliner Festspiele 2008, bei der Biennale di Venezia 2007, beim Festival d’Automne 2005 in Paris – hier erhielt sie drei Aufträge für Neukompositionen  – und mit Uraufführungen bei den Salzburger Festspielen und beim Festival Lucerne. Lims Werke wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der berühmteste Kompositionspreis Australiens, der Paul Lowin Award für Orchesterkompositionen, den Kompositionspreisen der Fromm Foundation, der Ian Potter Foundation und des Australia Council Fellowships, sowie ein Artist-in-residence Stipendium des DAAD, um 2007 in Berlin zu leben und zu arbeiten.
In Zusammenarbeit mit dem Künstler Domenico De Clario hat Lim eine Reihe von ortsbezogenen Installationen geschaffen, die durch Fotographien und Aufnahmen im Buch/CD „The Intertwining – The Chasm” (vom Institute of Modern Art in Brisbane herausgegeben) dokumentiert sind. Jedes dieser Projekte erforscht Zustände der Meditation, die Zeitspannen einer Nacht bis zu einer Woche umfassen. 1999 arbeitete sie mit der Künstlerin Judith Wright an „Sonorous Bodies”, einer Video Installation für die Queensland Art Gallery, die 2001 im Hebbel Theater Berlin gezeigt wurde. 2005 arbeitete sie mit der Künstlerin Judy Watson an „Glass House Mountains” für das Queensland Music Festival: Lim und Watson studierten dafür die Geschichte, die sowohl die Eingeborenen als auch die Europäer mit diesem ikonischen Naturdenkmal Australiens verband.
„TON”, eine „Szene für Publikum, Mobiles und Musiker”, entstand in Zusammenarbeit mit dem Künstler Volker Maerz, der Regisseurin Sabrina Hoelzer und Solisten des ELISION Ensembles und wurde 2008 beim Festival MaerzMusik in Berlin uraufgeführt.
Lim wurde an der University of Queensland der Doktor der Philosophie verliehen, ihren Master of Music absolvierte sie an der Melbourne University und ihren Bachelor of Arts am Victorian College of the Arts. Sie studierte Komposition bei Richard David Hames, Riccardo Formosa und Ton de Leeuw. Sie war Gastdozentin in Darmstadt, an der University of California San Diego & Berkeley, der Cornell University, des Getty Research Institute, an den großen australischen Universitäten und beim IRCAM-Festival Agora Paris. 1991 war sie Dozentin für Komposition an der Melbourne University, 2006 Gastkuratorin der Konzertreihe ”As Night Softly Falls” im Rahmen des Adelaide Festival of the Arts.
Aufnahmen ihrer Werke wurden bei HatArt, ABC-Classics, Dischi Ricordi; NEOS Music und Vox Australis veröffentlicht.
Liza Lim ist Professorin für Komposition und Leiterin des CeReNeM (Centre for Research in New Music) an der University of Huddersfield, UK.


Aaron Cassidy (b. Illinois, USA, 1976) is a composer and conductor with a growing international reputation. His work has been programmed by leading contemporary music specialists including ELISION, Ensemble SurPlus, musikFabrik, Ictus Ensemble, ensemble recherche, 175 East, Talea Ensemble, the Kairos, Diotima, and JACK string quartets, and soloists including Garth Knox, Ian Pace, Mieko Kanno, and Christopher Redgate, at festivals including Donaueschingen, Ultraschall, Warsaw Autumn, Huddersfield, Darmstadt, Gaudeamus (Jurors Prize nominee, 2002 & 2004), Bludenz, June In Buffalo, and the ISCM World Music Days, and has been broadcast by BBC Radio 3, Radio France, Deutschlandradio Kultur, SWR-2, Kulturradio rbb, Österreichischer Rundfunk, and Polish National Radio. In July 2008, ELISION presented a portrait concert of his work for broadcast on ABC Classic FM, and in 2009-10 the ensemble completed an extensive recording project of his work in conjunction with Radio Bremen. He has received grants, stipends, and commissions from Südwestrundfunk, allerArt Bludenz, the Yvar Mikhashoff Trust for New Music, Haupstadtkulturfonds Berlin, New York Foundation for the Arts, ASCAP, the American Music Center, Arts and Humanities Research Council, British Council, and PRSF 20x12/London Cultural Olympiad 2012.  Recordings of his work are available on the HCR and Neos labels, with a portrait disc of eight works on NEOS scheduled for release in early 2012.
Also active as a conductor, Cassidy has led performances by student and professional ensembles in a diverse range of contemporary repertoire. He has conducted at the June in Buffalo festival and in a variety of university settings, currently serving as conductor of the New Music Ensemble and the Symphony Orchestra at the University of Huddersfield. In 2009, he participated in the Herrenhaus Edenkoben Mastercourse with Peter Eötvös and Zsolt Nagy, conducting the International Ensemble Modern Academy (IEMA) in a radio broadcast for SWR-2, and in 2010 he conducted the ICE reading sessions at Darmstadt.
As an author his contributions include chapters in the first, second, and sixth volumes of Wolke Verlag's New Music and Aesthetics in the 21st Century series. Additionally, he has been increasingly active as a CD producer, most notably with EXAUDI's critically-acclaimed recent releases of Finnissy, Fox, and Skempton on NMC and Mode and ELISION's recent Ferneyhough disc on Kairos. 
In 2003, he completed a Ph.D. in Composition as a Presidential Fellowship recipient at the University at Buffalo (SUNY) under the guidance of David Felder, where he was awarded a Dissertation Fellowship for advanced research. He has studied additionally in masterclass and lesson settings with such composers as Richard Barrett, Chaya Czernowin, Brian Ferneyhough, Jonathan Harvey, Alvin Lucier, and Tristan Murail, among numerous others.
Cassidy joined the staff of the University of Huddersfield as Senior Lecturer in Composition in the autumn of 2007 and serves as Coordinator of the MA in New Music at the university's Centre for Research in New Music. He previously served as Lecturer of Composition and Co-Director of New Music Northwestern at Northwestern University in Evanston, Illinois, and as Visiting Assistant Professor of Music at Buffalo State College.


Uroš Rojko, 1954 in Ljubljana, Slowenien, geboren studierte in Ljubljana bei Uroš Krek, in Freiburg bei Klaus Huber und bei György Ligeti in Hamburg.
Rojko erhielt viele internationale Auszeichnungen, darunter 1985 den Premio Europa in Rom, 1995 den Alban Berg Preis in Wien, 1986 den Gaudeamus Preis in Amsterdam und 1991 den Wiener Internationalen Kompositionspreis. Rojko erhielt 1985-87 zudem ein DAAD Stipendium, 1990, 2000, 2004 ein Arbeitsstipendium von der Heinrich Strobel Stiftung des SWR Baden-Baden und 1993-94 ein Stipendium des Künstlerhof Schreyahn.
Auftragswerke von Rojko wurden u.a. bei den Donaueschinger Musiktagen, beim Musikprotokoll Graz, beim Akyoshidai Musik Festival in Japan, bei der Berliner Biennale, bei Radio France in Paris, an der Bayerischen Staatsoper und beim Warschauer Herbst aufgeführt; mehrfach durch das Slovenische Symphonieorchester und durch das Radio Sinfonieorchester Slowenien. Seine Werke werden in Europa, Japan, Kanada, USA und Australien gespielt - außerdem Aufführungen bei den ISCM World Music Days 1988, 1990, 1994, 1999, 2003, 2004, 2006 und 2008.
1995 wurde Uroš Rojko Professor für Komposition an der Akademie für Musik in Ljubljana. Seit 2002 lebt Rojko in Karlsruhe und Ljubljana.
2009 war Uroš Rojko Composer in Residence bei den "Weingartner Tagen für Neue Musik", einem der renommiertesten Festivals für zeitgenössische Musik, bei dem jeweils nur das Werk eines einzelnen Komponisten präsentiert wird , und bei dem bereits so namhafte Komponisten wie György Kurtag und Karlheinz Stockhausen zu Gast waren. Elisabeth Schwind schreibt in der Neuen Zeitschrift für Musik über das Festival: "Vielleicht braucht Rojkos Musik mehr als andere den einfühlsamen Interpreten. Eben solche Musiker wie abends zuvor der Akkordeonist Theodoro Anzellotti, der Bratschist Christophe Desjardins und die Gitarristin Klara Tomljanovic, die gemeinsam mit dem Komponisten (Klarinette) Solo- und Duostücke spielten. Fast möchte man sagen: zelebrierten, klänge das nicht so pompös. Von jeglichem Pomp ist Rojkos meist leise Musik jedoch denkbar weit entfernt. (...) Vor allem fasziniert Rojkos Klangfarbenfantasie, die sich hinter der bloßen formalen Struktur offenbart. Gerade so, als reduziere Rojko das musikalische Vokabular, damit es Platz machen kann für Farbenspiele im Obertonbereich. Wunderbar, wie nicht nur Viola und Akkordeon, sondern auch Gitarre und Akkordeon amalgamieren. (...) Samstagabend hielt dann das Musiktheater Einzug in Weingarten - ein Novum im Festival. (...) Rojkos Musik geht hier ganz im Theatralischen auf, freilich ohne auf vordergründige Effekte zu setzen. (...) Ein wundervoller Theaterabend und eine Bereicherung für die Weingartener Tage für Neue Musik."

 

Musiktheorie / Musikanalyse - Kunstuniversität Graz