2011 - Organised Sound. Internationales Symposion

15.-17. Dezember 2011

»Organised Sound«
Klang und Wahrnehmung in der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts

English Version

Internationales SYMPOSION an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (KUG), 15.–17. Dezember 2011

Veranstalter
Institut 1: Komposition, Musiktheorie, Musikgeschichte und Dirigieren

Leitung
Christian Utz
Dieter Kleinrath

in Zusammenarbeit mit
Markus Neuwirth, University of Leuven

PROGRAMM und ABSTRACTS [pdf, 362 KB, update: 13.12.2011]

TeilnehmerInnen
Thomas Christensen, University of Chicago [currently: Wissenschaftskolleg zu Berlin]
Clemens Gadenstätter, Kunstuniversität Graz
Dora A. Hanninen, University of Maryland
Georg Friedrich Haas, Kunstuniversität Graz / Universität für Musik Basel
Andy J. Hamilton, University of Durham
Lukas Haselböck, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Ludwig Holtmeier, Hochschule für Musik Freiburg
Adriana Hölszky, Universität Mozarteum Salzburg
Tobias Janz, Universität Hamburg
Dieter Kleinrath, Kunstuniversität Graz
Markus Neuwirth, University of Leuven
Richard Parncutt, Karl-Franzens-Universität Graz
Daniela Prem, Karl-Franzens-Universität Graz
Christoph Reuter, Universität Wien
Elena Ungeheuer, Kunstuniversität Graz
Nikolaus Urbanek, Universität Wien
Christian Utz, Kunstuniversität Graz
Emmanouil Vlitakis, Universität der Künste / Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin

»Klang« ist in der Musik des 20. Jahrhunderts wie nie zuvor zum Gegenstand des Komponierens geworden. Die Emanzipation vom System der Tonalität in den 1910er und 1920er Jahren ging aufs engste mit einer Emanzipation des Klangs als eigenständiger Kategorie einher. Dieser Prozess wiederum war gekoppelt an eine Aufwertung der Klangfarbe und einen entsprechenden, spätestens mit Richard Wagners Instrumentationskünsten einsetzenden Wandel der Kompositionstechniken. Aber bereits in der Theorie und Praxis des Generalbasses mag man eine wichtige Vorstufe zu dieser Emanzipation des Klangs erkennen: Akkordischen Gebilden wurde zunehmend eine eigenständige »klangliche« Qualität zugebilligt. Insgesamt aber scheint die Rationalisierung von Tonhöhenbeziehungen in der neuzeitlichen westlichen Musiktheorie häufig eher als Gegentendenz zu einer Emanzipation des Klangs gewirkt zu haben.

Die Aufwertung des Klangs in der Musik um 1900 konvergierte mit einer spezifischen Tendenz der Musiktheorie und verwandter Disziplinen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, die auditive Wahrnehmung verstärkt ins Zentrum rückte. Wurde dabei das Hören tonaler Musik seit Helmholtz und Riemann als gemeinsames Anliegen von Musiktheorie und Musikpsychologie begriffen, so wandten sich beide Disziplinen im Verlauf des 20. Jahrhunderts zunehmend von der Musik der Gegenwart ab. Kohärente Theorien der Wahrnehmung post-tonaler Musik konnten sich so kaum entwickeln und erscheinen daher – trotz vereinzelter Ansätze seit den 1960er und vor allem seit den späten 1980er Jahren – weiterhin als eine wesentliche Aufforderung an die heutige Musiktheorie und -psychologie.

Das Symposion versucht nicht zuletzt dieses Desiderat aufzugreifen. Es wird den Verzweigungen von Klang und Wahrnehmung in der Kompositionsgeschichte und der Geschichte der Musiktheorie nachgehen, nachvollziehen, wie diese in den Jahrzehnten um 1900 zu theoretischen und kompositionspraktischen Kategorien ersten Ranges aufsteigen konnten und wie sie sich in weiterer Folge bis zur unmittelbaren Gegenwart hin entwickelten. Gleichberechtigt mit diesen historischen Perspektiven soll der Frage nachgegangen werden, wie sich die Organisation und Wahrnehmung von Klangereignissen in post-tonaler Musik kompositorisch realisieren, systematisch beschreiben und empirisch untersuchen lässt. 


Das Symposion steht in engem Zusammenhang mit dem an der Kunstuniversität Graz (KUG) angesiedelten Forschungsprojekt A Context-Sensitive Theory of Post-tonal Sound Organization (CT∙PSO), gefördert durch den Wissenschaftsfonds (FWF). Die Symposionsbeiträge werden 2012 in einem zweisprachigen Buch als Band 6 der KUG-Schriftenreihe musik.theorien der gegenwart veröffentlicht werden.

I. Klang und Klangfarbe als musiktheoretische und musikästhetische Kategorien vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart
II. Die Emanzipation des Klangs in der Musik um 1900 im Kontext musiktheoretischer und musikwissenschaftlicher Diskurse
III. Klang und Wahrnehmung post-tonaler Musik: Kompositorische Praxis, systematische Modelle und empirische Forschung
IV. Klang und Wahrnehmung in Musiktheorie und Musikpsychologie

Realisiert mit freundlicher Unterstützung des Landes Steiermark, Abteilung 3 Wissenschaft und Forschung und der Stadt Graz, Bürgermeisteramt.
 

            

Musiktheorie / Musikanalyse - Kunstuniversität Graz