Gerhard Stäbler: Aktuelle Fragen des Komponierens zwischen Aktion und Konstruktion

12.05.05

Gastseminar 10-13 Uhr, Brandhofgasse 21, Raum E.37

Gerhard Stäbler (Duisburg)
Aktuelle Fragen des Komponierens zwischen Aktion und Konstruktion

Im Mittelpunkt stehen folgende Werke Stäblers :

- Strike the ear für Streichquartett (1987)
- Den Müllfahrern von San Francisco für Ensemble (1989/90)
- Dali. Musica magica para piano (1995/96)
- Notebook, Konzert für Viola und Orchester (1996/2000)

Texte zur Vorbereitung:

-Nicht Traum. Traum (Kopien des Textes liegen im Sekretariat des Instituts 1, Brandhofg. 21, auf)
-gesammelte Texte von Stäblers Website

CDs und Partituren Stäblers liegen ebenfalls im Sekretariat auf
 


Portraitkonzerte Stäblers in der KUG:

07.05.05

PORTRAITKONZERT
Meet The Composer Gerhard Stäbler
Studierende von Krisztina Faludy, Nils Thilo Krämer, Uwe Köller, Edo Micic, Janne RÄTTYÄ, Ulrike Stadler-Fromme
20.00, Florentinersaal

10.05.05

PORTRAITKONZERT
Meet the composer Gerhard Stäbler
Studierende von Krisztina Faludy, Nils Thilo Krämer, Uwe Köller, Edo Micic, Janne RÄTTYÄ, Ulrike Stadler-Fromme
16.00, Florentinersaal


Gerhard Stäbler zählt zu den bekanntesten und aktivsten deutschen Komponisten der mittleren Generation.

1949 im süddeutschen Wilhelmsdorf bei Ravensburg geboren, studierte er Komposition (bei Nicolaus A. Huber) und Orgel (bei Gerd Zacher) in Detmold und Essen. Dem "Cornelius Cardew Memorial Prize" (1982) folgte eine lange Reihe von Auszeichnungen, Preisen, Kompositionsaufträgen und Stipendien, die Gerhard Stäblers Biographie markieren. Von Anfang an war er nicht nur als Komponist aktiv, sondern engagierte sich auch politisch und auf organisatorischem Gebiet. So konzipierte Stäbler die "Aktive Musik"- Festivals mit Neuer Musik und fungierte darüber hinaus im Jahr 1995 auch als künstlerischer Leiter der Weltmusiktage der "Internationalen Gesellschaft für Neue Musik" im Ruhrgebiet. Ein dritter zentraler Strang seiner Tätigkeit liegt im pädagogischen Bereich: In Workshops und Seminaren für Komposition und Improvisation arbeitete Gerhard Stäbler mit jungen Musikern aus vielen Ländern. Als Composer-in-Residence und Gastprofessor wirkte er zeitweise u. a. in Nord- und Südamerika sowie im Nahen und Fernen Osten.

Stäblers Musik durchbricht oft den Rahmen des Konventionellen, indem er Elemente in seine Kompositionen mit einbezieht, die die herkömmliche Aufführungssituation (und damit die herkömmliche Publikumserwartung) durchbrechen, sei es durch Gesten oder Bewegungen im Raum, sei es mittels Licht- und Duftgestaltung oder aktives Einbeziehen des Publikums: Immer kommt es ihm darauf an, die Phantasie anzuregen, Ohren und andere Sinne für neue, unerwartete Wahrnehmungs- und Denkmuster zu sensibilisieren. Hierher rührt auch Stäblers Vorliebe für das Ineinandergreifen von Komposition und Improvisation, die von der jeweils einzigartigen Spannung unter den Ausführenden im noch offenen und nur erst präformierten Moment lebt (so in der musikalischen Graphik HART AUF HART). Gleichwohl ist Stäblers Musik in ihren Abläufen immer äußerst durchdacht und von ausgefeilten Konstruktionen, die die direkte musikalische Aussage nicht beeinträchtigen, gekennzeichnet. Vor allem seit den 90er Jahren entstehen Werk-"Gruppen", die einen Themenkomplex von verschiedenen Seiten musikalisch ausleuchten (z. B. die Kompositionen um das Bühnenwerk CASSANDRACOMPLEX). In manchen Fällen können an sich selbständige Kompositionen auch gleichzeitig aufgeführt werden.

Immer wieder veranlasst Stäbler den Hörer zur kritischen Reflexion, ohne daß seine Musik dabei immer offen politischer Prägung zu sein hätte. So klopft etwa KARAS.KRÄHEN den Schrei des Raben musikalisch auf seine möglichen Bedeutungen (in alten Mythen oder als Unheil verkündender Vorbote) hin ab. Die Musik erschöpft sich nicht in ihrer reichen Symbolik, sondern verweist immer auch auf unser Handeln in der Welt, in der wir leben.

Musiktheorie / Musikanalyse - Kunstuniversität Graz